Offener Brief: Dringenden Appell für den Erhalt der Traumafolgestation bei den Elisabethinen Graz
Offener Brief an Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl und die Steirische Landesregierung
Sehr geehrter Herr Landesrat Dr. Kornhäusl, sehr geehrte Mitglieder der Steirischen Landesregierung,
wir, die Unterzeichnenden dieses offenen Briefes, wenden uns mit großer Sorge und Nachdruck an Sie. Die Entscheidung, die traumazentrierte Bettenstation PP3 bei den Elisabethinen in Graz mit Ende 2025 zu schließen und deren Leistungen in das LKH Südwest zu übertragen, stößt auf großes Unverständnis und Ablehnung.
Die Station PP3 ist nicht irgendein psychiatrisches Angebot, sondern die einzige stationäre Spezialeinrichtung für schwere Traumafolgestörungen in der gesamten Steiermark – und darüber hinaus die einzige auf Dissoziative Störungen spezialisierte Station Österreichs. Diese Abteilung steht für ein hohes Maß an Fachwissen, personeller Kontinuität, geschützter Umgebung und menschlicher Zuwendung – allesamt Schlüsselfaktoren in der Behandlung von schwerst traumatisierten Menschen.
Diese Patient:innen können nicht einfach "woanders untergebracht" werden. Die besonderen Anforderungen an Raum, Personal und Vertrauensaufbau lassen sich nicht in den Strukturen eines Großkrankenhauses abbilden. International ist man sich darüber einig: Traumabehandlung braucht spezialisierte, überschaubare Einheiten mit stabilen Bezugspersonen. Alles andere ist fahrlässig und gefährlich.
Bereits mehr als 10.500 Menschen haben mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Station PP3 Stellung bezogen. Mit diesem offenen Brief an Sie, sehr geehrter Herr Landesrat, sowie an die gesamte Landesregierung – möchten die Unterzeichner:innen nochmals verstärkt ihre Sorge zum Ausdruck bringen, denn Traumafolgestörungen sind keine Randdiagnosen. Sie sind real, sie sind verbreitet, und sie können jede und jeden von uns treffen.
Die schrecklichen Ereignisse in der Grazer Dreierschützengasse haben uns alle daran erinnert, wie plötzlich und tiefgreifend psychische Erschütterungen unser Leben prägen können.
Der Protest gegen diese Entscheidung ist breit getragen, fachlich begründet und gesellschaftlich legitimiert. Unser Ziel ist klar: Wir fordern, dass die geplante Schließung der Station PP3 rückgängig gemacht wird und Gespräche mit den Beschäftigten, den Patient:innenvertretungen sowie externen Fachleuten stattfinden, bevor unumkehrbare Schritte gesetzt werden. Es braucht eine Lösung, die Versorgungssicherheit, fachliche Qualität und menschliche Würde gewährleistet.
Wir bitten Sie eindringlich: Nehmen Sie die Stimmen der Betroffenen ernst. Erkennen Sie die Leistungen der PP3 an. Und bekennen Sie sich zu einer Gesundheitspolitik, die nicht ökonomische Rechenschieber, sondern das Wohl der Menschen ins Zentrum stellt.
Mit Nachdruck und in der Hoffnung auf Gesprächsbereitschaft
Veröffentlicht: 28. Juli 2025